Bedingungen der Genossenschaft: Eine Fibel zu Architektur, Finanzen und Regulation

Seminar Architektur und Stadt II (056-0002-01)
Veranstalter: MAS
Dozierende: Dr. Anne Kockelkorn, Dr. Susanne Schindler, Marie-Anne Lerjen
Zeit: Freitags, 9.30-12.00 13.00-16.30 Uhr
Ort: Vormittag HIL D 60.1 / Nachmittag HIT F 31.1
 

Studierende im Gespräch Raphael Frei und Andreas Sonderegger, Pool Architekten, 28.2.2020. Foto: Sanna Kattenbeck

FRAGE
Züricher Wohnungsbaugenossenschaften haben in den letzten zwanzig Jahren beindruckende experimentelle Architekturen des Zusammenwohnens gebaut und dabei etablierte Vorstellungen hinterfragt, wer oder was zu einem Wohnhaushalt dazu gehört: Wohnungen mit mehr als 50 Leuten, Cluster von Mikro-einheiten, Wohnungen um zu arbeiten und zu leben oder für Kurzzeit-Miete – um nur einige zu nennen.

Doch was macht diese gemeinnützigen Formen des Zusammenlebens und ihre architektonische Qualität überhaupt erst möglich? Wer besitzt das Land, unter welchen Bedingungen und aufgrund welcher historischen Entwicklung? Wieso gelten Zürcher Genossenschaften trotz ihrer Verpflichtung zur Nichtspekulation als gute Schuldner – und seit wann? Was ist die Zinsrate ihrer Hypotheken und wer hat sie zu welchem Zeitpunkt festgelegt? In einer Welt, die in immer stärkerem Maße durch finanzialisierte Immobilieninvestitionen und den daraus resultierenden Anstieg sozialer und ökonomischer Ungleichheit geprägt ist, sind dies Schlüsselfragen um Alternativen des Zusammenlebens denkbar zu machen.

FORSCHUNGSPROJEKT
Die Arbeit der Studierenden ist Teil des Forschungsprojekts «Cooperative Conditions: A Primer on Architecture, Finance, and Regulation» und Grundlage für einen Forschungs- und Ausstellungsbeitrag für die Architektur Biennale 2020 in Venedig «How will we live together?», zu sehen ab 29. August 2020 im Arsenale.

ZIELE
Mit Blick auf die über 100-jährige Geschichte der Zürcher Wohnbaugenossenschaften untersucht das Seminar sowohl deren architektonische und städtebauliche Eigenschaften als auch deren ökonomischen, rechtlichen und mentalitätsgeschichtlichen Bedingungen. Ziel ist, durch den gemeinsamen Blick auf architektonische Gestalt und die Geschichte einer politischen Ökonomie im 20. Jahrhundert zeitgemässe Definitionen architektonischer Handlungsräume zu entwickeln.

AUFBAU
In einer Serie intensiver Gespräche mit Architekten und Vertreter des genossenschaftlichen Wohnungswesens sowie Entscheidungsträgern aus Banken, Pensionskassen und Stadtverwaltung erarbeiten Studierende das Grundlagenwissen zur Architektur-, Stadt- und Wirtschaftsgeschichte des genossenschaftlichen Wohnungsbaus. Auf die Interviews folgt eine Phase der Archivrecherche und Synthese des Forschungsstands. Dabei entwickeln die Studierenden je ein Dossier zu einem regulativen Instrument und seinem Zusammenspiel mit Stadt- und Architekturproduktion.