Master-Arbeit
DIE VERGESSENE PARTNERSCHAFT. Über die gemeinsame Lehr- und Bürotätigkeit von Adolf Rading und Hans Scharoun, 1926-1933

Master-Arbeit
Benedict Wahlbrink
2023
 

Durch ihre gemeinsame Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau lernten sich die Architekten Adolf Rading und Hans Scharoun kennen und gründeten im Jahr 1926 eine Bürogemeinschaft in Berlin. In den folgenden sieben Jahren erarbeiteten sie sowohl eigenständige Projekte als auch solche, die in Kooperation entstanden sind.

Bislang bleibt jedoch ungeklärt, in welchem Maße Adolf Rading an den Projekten beteiligt war, die heute oft nur seinem damaligen Büropartner zugeschrieben werden. Hans Scharoun erlangte insbesondere durch sein Spätwerk mit Projekten wie dem Konzerthaus des Berliner Philharmonischen Orchesters (1957–1963) große Anerkennung. Im Gegensatz dazu verließ Adolf Rading Deutschland im Jahr 1933, um zunächst nach Frankreich und anschließend nach Palästina zu emigrieren, wo er mehrere Jahre als Stadtbaudirektor von Haifa tätig war. Die verschiedenen Lebensverläufe der beiden Architekten führten dazu, dass die gemeinsame Lehr- und Bürotätigkeit zunehmend in Vergessenheit geriet.

Vor diesem Hintergrund widmet sich die vorliegende Arbeit der Frage, inwieweit sich individuelle Beiträge innerhalb des Entwicklungsprozesses von einer kollektiven Zusammenarbeit unterscheiden lassen können und welchen Einfluss womöglich Adolf Rading auf Projekte innerhalb der Bürogemeinschaft ausübte. In der Spannung zwischen Erfolg und Misserfolg verdeutlicht diese Geschichte, dass sowohl individuelle Kreativität als auch gemeinschaftliches Arbeiten wesentliche Elemente des architektonischen Schaffens sind.



Abb.: Entwurf „Wohnblock Eisenzahnstraße“ in Berlin-Wilmersdorf von Adolf Rading und Hans Scharoun,
1929/1930 (Akademie der Künste Berlin, Hans-Scharoun-Archiv)